Heute auf dem Herd: Risotto ai funghi, Parmesan nicht vergessen

Kochen und Kennenlernen in Bern: wo man am Herd ins Gespräch kommt

Mein Bruder ist vor drei Jahren nach Bern gezogen, wegen einer Stelle beim Bund und wegen der Aare, in dieser Reihenfolge, sagt er. Nach einem halben Jahr kannte er seine Arbeitskollegen und niemanden sonst. Wir haben dann an einem Sonntag an seinem Küchentisch eine Liste gemacht, wo man in Bern Leute trifft, wenn man gern kocht. Diese Liste ist die Grundlage dieser Seite, ergänzt um das, was er seither ausprobiert hat.

Eine Vorbemerkung: Bern ist kleiner als Zürich, und das ist hier ein Vorteil. Wer zweimal am selben Ort ist, wird wiedererkannt. Wer dreimal kommt, wird gegrüsst. In Zürich brauchst du dafür ein Jahr.

Marktstand

Kochkurse in Bern

Die Klubschule Migros hat in Bern ein grosses Kursangebot, von Grundlagen bis zu einzelnen Küchen, dazu Backen und Brot. Ein Abend von drei Stunden kostet je nach Thema etwa 90 bis 150 Franken, Zutaten und Essen inklusive. Man kocht in kleinen Gruppen an einem Posten und isst am Schluss gemeinsam, und dieses Essen ist der Teil, bei dem man die Leute wirklich kennenlernt. Mein Bruder hat mit einem Kurs zu Brot angefangen und ist seither mit zwei Leuten aus der Gruppe jeden Monat einmal wandern gegangen.

Auch die Volkshochschule Bern bietet Kochkurse an, oft mit Themen wie einer Region oder einer Technik, und einem Publikum, das eher neugierig als ehrgeizig ist. Dazu kommen kleinere Kochschulen und Restaurants, die ab und zu Kurse geben. Die findet man am besten, indem man bei den Läden fragt, in denen man sowieso einkauft. Die wissen fast immer, wer wo was anbietet.

Dasselbe wie überall: In Kochkursen sind meist mehr Frauen als Männer. Geh hin, weil du kochen willst. Wer nur wegen des Kennenlernens kommt, merkt man spätestens beim Zwiebelschneiden.

Der Märit auf dem Bundesplatz

Dienstag und Samstag ist Wochenmarkt auf dem Bundesplatz und in den Gassen rundherum. Das ist kein Ort, an dem man sich absichtlich kennenlernt, aber einer, an dem man ins Gespräch kommt, wenn man es zulässt. Frag am Käsestand, welcher Alpkäse gerade gut ist, und du bekommst eine Antwort von drei Minuten. Frag die Frau neben dir, was sie mit dem Mangold macht, und du hast ein Rezept und manchmal mehr.

Mein Bruder hat sich angewöhnt, samstags früh zu gehen, einen Kaffee in der Nähe zu trinken und dann einzukaufen. Nach ein paar Wochen kannte er die Leute an den Ständen beim Namen, und über einen davon kam er zu einer Einladung an ein Nachtessen. Und wer einmal im Jahr etwas richtig Bernisches erleben will: Am vierten Montag im November ist Zibelemärit. Da steht die halbe Stadt zwischen Zwiebelzöpfen, und die Stimmung ist so, dass man mit fast jedem ein paar Worte wechselt.

Quartiertreffs und gemeinsames Kochen

Kochen in der Gruppe

Bern hat in vielen Quartieren Treffpunkte, getragen von der Gemeinwesenarbeit und von Quartiervereinen. Viele davon haben eine Küche, und in dieser Küche wird regelmässig gemeinsam gekocht: Mittagstische, Abende mit Gerichten aus einem bestimmten Land, Suppentage im Winter. Die Kosten sind klein, oft zwischen 10 und 20 Franken fürs Essen. Das Publikum ist gemischt, Familien, Studierende, ältere Leute, Neuzugezogene. Wer niemanden kennt, findet hier am schnellsten Anschluss, auch wenn es selten um Verlieben geht. Aber der Freundeskreis ist laut Bundesamt für Statistik immer noch der Ort, an dem die meisten Paare entstehen.

Gärten und Vereine

Gemeinschaftsgärten gibt es in Bern in mehreren Quartieren, die Beiträge liegen meist zwischen 50 und 200 Franken im Jahr, dazu ein paar Stunden Mitarbeit. Die Wartelisten sind kürzer als in Zürich, aber es gibt sie. Und dann die Vereine: Slow Food hat eine Gruppe in Bern, es gibt Pilzvereine, die im Herbst sammeln und dann zusammen kochen, Brotback-Runden und Leute, die gemeinsam einmachen. Die meisten nehmen Gäste an einem offenen Abend gern auf, ohne dass man gleich Mitglied werden muss.

Und wenn der Kreis zu klein bleibt

Mein Bruder hat nach eineinhalb Jahren einen Freundeskreis, eine Wanderrunde und eine Stammbeiz. Eine Partnerin hat er so nicht gefunden, und er hat irgendwann gesagt, dass er das auch nicht mehr erwartet von einem Brotkurs. Er hat sich dann online umgeschaut, ohne Drama. Welche Seiten es in der Schweiz gibt und warum sechs davon zur selben Firma gehören, steht im Vergleich der Dating-Seiten. Wer in Zürich wohnt, findet die gleiche Liste für seine Stadt unter Kochen und Kennenlernen.

Fazit

Bern macht es einem leicht, wenn man regelmässig am selben Ort auftaucht. Ein Kochkurs für den Anfang, der Märit am Samstag für die Gewohnheit, ein Quartiertreff für den Anschluss. Das kostet wenig, und selbst wenn niemand dabei ist, der einem den Kopf verdreht, hat man am Ende besser gegessen und mehr Leute zum Grüssen. Das ist in einer neuen Stadt schon ziemlich viel.

Wer hier kocht

LiviaLivia, 37, Zürich. Acht Jahre Gastronomie, heute Büro und Wochenendherd. Keine Kurse, keine Abende zum Buchen: Rezepte und ein ehrlicher Blick auf die Dating-Seiten.
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