Heute auf dem Herd: Risotto ai funghi, Parmesan nicht vergessen

Kochen und Kennenlernen: wo man Leute trifft, die gern am Herd stehen

Menschen, die gern kochen, sind selten allein in der Küche. Sie stehen in Kursen neben Fremden, teilen ein Gartenbeet, kochen im Quartier für vierzig Leute oder streiten in einem Verein über die richtige Reifezeit eines Käses. All das sind Orte, an denen man sich kennenlernt, ohne dass es der Zweck ist. Und genau darum funktioniert es. Diese Seite sammelt die Orte, die in der Schweiz wirklich existieren, sagt, was sie kosten, und ist ehrlich darüber, wann der Kreis zu klein wird.

Eine Zahl vorneweg, damit niemand falsche Erwartungen hat: Laut Bundesamt für Statistik entstehen 8 Prozent der neuen Paare über ein Hobby, einen Verein oder Sport. Der Freundeskreis liegt bei 28, das Internet bei 27 Prozent. Kochkurse sind also kein Geheimtipp für die grosse Liebe, aber ein sehr guter Ort, um Leute zu treffen, mit denen man sich auf Anhieb über etwas unterhalten kann. Das ist mehr, als die meisten Bars bieten.

Gemeinsam kochen

Kochkurse: der klassische Weg

In der Schweiz gibt es drei grosse Anbieter, die in jeder grösseren Stadt Kurse haben, und dazu unzählige kleine. Der grösste ist die Klubschule Migros, mit Kursen von der Grundausbildung bis zu einzelnen Küchen: Thai, italienisch, vegan, Backen, Brot. Ein Abendkurs von drei Stunden kostet je nach Thema und Ort zwischen 90 und 150 Franken, inklusive Zutaten und Essen. Die Gruppen haben meist acht bis zwölf Personen, man kocht zu zweit oder zu dritt an einem Posten, und man isst am Ende zusammen. Das gemeinsame Essen ist der Teil, an dem die Gespräche entstehen.

Die Volkshochschule Zürich hat ein kleineres, aber feineres Programm, oft mit Kursen zu einer Region oder einer Technik, und einem Publikum, das eher 35 als 25 ist. Die Preise liegen ähnlich. In anderen Städten gibt es die Volkshochschulen ebenfalls, mit eigenen Programmen; Bern, Basel und Luzern haben alle Kochangebote.

Die Hiltl Akademie in Zürich ist das dritte Haus, das man kennen sollte. Vegetarische Kurse im Haus des ältesten vegetarischen Restaurants der Welt, mit einem Publikum, das sich für Ernährung interessiert und darüber redet. Teurer als die Klubschule, aber die Küche ist professionell ausgerüstet, und man lernt tatsächlich etwas. Ich war zweimal dort, einmal für indische Küche, einmal für Fermentieren, und beide Male kannte ich am Ende die Namen aller am Tisch.

Eine ehrliche Anmerkung: In Kochkursen sind mehr Frauen als Männer, je nach Kurs deutlich. Wer als Mann hingeht, hat also statistisch gute Karten. Wer als Frau hingeht, geht am besten wegen des Kochens hin und nimmt das Kennenlernen als Bonus. Das gilt übrigens für alles auf dieser Seite.

Gemeinschaftsgärten

Wer kocht, will irgendwann wissen, wo die Tomaten herkommen. Gemeinschaftsgärten gibt es inzwischen in jeder Schweizer Stadt: auf Brachen, auf Dächern, in Parks, auf ehemaligen Familiengarten-Arealen. Man bekommt ein Beet oder teilt eines, zahlt einen Jahresbeitrag zwischen 50 und 200 Franken und verpflichtet sich zu ein paar Stunden Gemeinschaftsarbeit im Monat. Diese Stunden sind der Punkt: Beim Umgraben und Giessen redet man, und im Sommer gibt es fast überall ein gemeinsames Essen mit dem, was gerade reif ist.

Gärten haben gegenüber Kursen einen Vorteil: Man sieht die Leute jede Woche, über Monate. Nach einem Kochkurs geht jeder nach Hause, im Garten trifft man sich am nächsten Samstag wieder. Und einen Nachteil: Die Wartelisten sind lang, in Zürich zum Teil über ein Jahr. Wer einen Platz will, fragt bei den Quartiervereinen und den Gemeinschaftszentren nach, die wissen, wo gerade etwas frei wird.

Quartier-Kochen und Gemeinschaftszentren

Langstrasse Zürich

Die Gemeinschaftszentren in Zürich und ihre Gegenstücke in anderen Städten haben fast alle eine Küche, und in dieser Küche wird gekocht: Mittagstische, an denen jeder mitkochen kann, Kochabende für ein Quartier, internationale Küchen, bei denen jemand aus Eritrea oder Portugal die Gerichte seiner Heimat kocht und die anderen schneiden. Die Kosten sind gering, oft 10 bis 20 Franken fürs Essen, manchmal nur ein Beitrag in die Kasse.

Das Publikum ist gemischter als in jedem Kurs: Studierende, Rentner, Familien, Leute, die neu in der Stadt sind. Wer gerade umgezogen ist und niemanden kennt, findet hier am schnellsten Anschluss. Kennenlernen im Sinn von Verlieben ist hier weniger das Thema, aber der Freundeskreis wächst, und der Freundeskreis ist laut Statistik immer noch der wichtigste Ort, an dem Paare entstehen.

Vereine rund ums Essen

Es gibt in der Schweiz Vereine für fast alles, was man essen kann. Slow Food Schweiz hat regionale Gruppen, die Produzenten besuchen, gemeinsam kochen und lange Tafeln veranstalten. Es gibt Brotback-Gruppen, Fermentier-Zirkel, Käsereivereine im Emmental, Weinbruderschaften in der Waadt, Pilzvereine, die im Herbst gemeinsam sammeln und dann kochen. Die Mitgliedschaft kostet meist zwischen 50 und 120 Franken im Jahr.

Der Vorteil eines Vereins ist die Wiederholung, wie beim Garten. Der Nachteil ist, dass man sich verpflichtet. Wer nur schauen will, geht als Gast an einen offenen Abend, das ist überall möglich und niemand fragt nach dem Grund.

Und wenn der Kreis zu klein ist

Jetzt der ehrliche Teil. Ein Kochkurs hat zwölf Leute, ein Garten dreissig, ein Verein vielleicht hundert. Davon sind je nach Alter die Hälfte in einer Beziehung, ein Teil passt nicht, und mit den anderen versteht man sich gut, aber eben nur gut. Wer nach einem Jahr Kursen und Gärten merkt, dass der Kreis zu klein ist, hat nichts falsch gemacht. Der Kreis ist einfach klein. Das ist der Moment, in dem sich viele online umschauen, und ich finde das vernünftig.

Ich habe es selber so gemacht. Nach drei Jahren als Single mit Kursen, einem Gartenbeet und vielen Abenden am Herd habe ich Ende 2023 Jonas kennengelernt, online. Das erste Date war ein Risotto, davon steht mehr im Menü fürs erste Date. Welche Seiten es in der Schweiz gibt, was sie kosten und warum sechs davon zusammengehören, steht im Vergleich der Dating-Seiten. Und wie man dann zu zweit kocht, ohne sich zu streiten, steht unter Kochen zu zweit ohne Stress.

Fazit

Kochkurse, Gärten, Quartierküchen und Vereine sind die besten Orte, um Menschen zu treffen, mit denen man ein Thema teilt. Sie kosten wenig, verpflichten zu nichts und machen auch dann Freude, wenn niemand dabei ist, der einem den Kopf verdreht. Geh hin, weil du kochen willst. Alles andere ergibt sich oder eben nicht, und wenn nicht, dann ist der Kreis online grösser, und das Risotto schmeckt trotzdem.

Wer hier kocht

LiviaLivia, 37, Zürich. Acht Jahre Gastronomie, heute Büro und Wochenendherd. Keine Kurse, keine Abende zum Buchen: Rezepte und ein ehrlicher Blick auf die Dating-Seiten.
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