Eine Freundin von mir ist Assistenzärztin am Unispital, arbeitet 55 Stunden die Woche und hat mir einmal beim Znacht gesagt, das Schlimmste an Dates sei nicht die fehlende Zeit, sondern die Gespräche, die nach zehn Minuten versanden. Sie hat Academic Singles ausprobiert, weil sie hoffte, dort auf Leute zu treffen, mit denen man über etwas reden kann. Die ehrliche Frage dahinter ist grösser: Macht ein Bildungsfilter beim Dating überhaupt Sinn?
Ein eigenes Konto hatte ich nicht. Die Angaben stammen aus den öffentlichen Seiten, den AGB und der FAQ, aus einer Studie der Universität Genf und aus dem, was meine Freundin erzählt hat.
Startseite von academicsingles.ch, aufgenommen im September 2026.
Academic Singles richtet sich an «gebildete, kultivierte Singles», die eine feste Beziehung suchen. Das Matching gewichtet das Bildungsniveau stärker als bei den Schwesterseiten, das bestätigt auch die FAQ. Auf der Startseite stehen drei Versprechen: attraktive Partnervorschläge, anonym und sicher, gebildete Singles. Betreiberin ist die be2 S.à.r.l. in Luxemburg, dieselbe Firma wie bei be2.
Die offizielle Seite nennt keine Zahl. Testberichte schreiben «über 80 Prozent» oder «100 Prozent», ohne zu sagen, woher sie das haben. Und dann steht in den AGB von be2 ein Satz, der die Sache relativiert: Profile werden allen Kunden der Gruppe vorgeschlagen, egal wo sie sich angemeldet haben. Das Bildungsniveau ist also ein Gewicht im Matching, kein Zaun.
Meine Freundin hat das so beschrieben: «Fast alle hatten einen Beruf, über den man reden konnte, aber mein Oberarzt war zum Glück nicht dabei.» Ein Doktortitel war selten, ein Studium häufig, und ein paar Vorschläge kamen offensichtlich aus dem allgemeinen Pool.
Eine Studie der Universität Genf aus dem Jahr 2020, erschienen in der Fachzeitschrift PLOS ONE, hat Daten des Bundesamts für Statistik zu über 3'000 Paaren in der Schweiz ausgewertet. Ein Ergebnis: Paare, die sich über Dating-Apps kennengelernt haben, sind beim Bildungsniveau gemischter als andere. Die Apps bringen also eher Menschen mit unterschiedlichen Ausbildungen zusammen, und diese Paare sind genauso zufrieden.
Für Academic Singles heisst das zweierlei. Wer bewusst jemanden mit ähnlichem Bildungsweg sucht, schwimmt gegen den Strom der Apps, und dafür ist ein Filter nützlich. Wer dagegen einfach eine gute Beziehung will, braucht den Filter nicht, die Zufriedenheit hängt laut Studie nicht davon ab.
Der Fragebogen dauert laut Testberichten rund 30 Minuten und ist damit der längste der Gruppe. Meine Freundin hat ihn an einem freien Nachmittag gemacht und fand ihn «wie eine Anamnese, nur über mich». Danach gibt es gratis das Ergebnis, eine Beschreibung des passenden Partners und Vorschläge. Lächeln und Komplimente kosten nichts, für Fotos, Nachrichten und Videoanrufe brauchst du Premium. Es gibt eine App für iOS und Android.
Die Seite wirbt mit verifizierten Profilen und geprüften Bildern. Gemeint ist eine automatische Fotoprüfung und eine manuelle Kontrolle, wenn ein Profil gemeldet wird. Eine Kontrolle von Diplomen gibt es nicht, und es wäre auch seltsam, wenn es sie gäbe.
| Laufzeit | Pro Monat, laut Testberichten | Kündigung |
|---|---|---|
| 3 Monate | CHF 119.90 | 4 Wochen vor Ablauf |
| 6 Monate | CHF 79.90 | 4 Wochen vor Ablauf |
| 12 Monate | CHF 59.90 | 4 Wochen vor Ablauf |
Das ist die Preisstaffel von be2. Testberichte erwähnen eine Garantie von zehn Kontakten, sonst wird verlängert. Die Abos verlängern sich automatisch um dieselbe Laufzeit, gekündigt wird über «Verträge hier kündigen» im Seitenfuss oder per Brief. Profil löschen reicht nicht.
| Du bist… | Meine Empfehlung |
|---|---|
| jemand, der genug davon hat, bei jedem Date den eigenen Beruf zu erklären | Academic Singles |
| offen für jemanden mit anderem Werdegang | be2, gleicher Preis, grössere Auswahl |
| über 50 | Zusammen.ch |
| vor allem in den Bergen glücklich | Aktiv & Verliebt |
Nein. Die Seite prüft keine Diplome, das Bildungsniveau fliesst nur ins Matching ein.
Laut Testberichten nicht, die Preise sind dieselben.
Zum Teil. Es gibt eine gemeinsame Datenbank, aber die Vorschläge werden stärker nach Bildung sortiert.
Nach vier Monaten hat sie einen Architekten getroffen, mit dem sie jetzt jeden Sonntag darüber streitet, ob man Rüebli schälen muss. Er sagt nein, sie sagt ja, und ich finde, beide haben recht. Ob das am Bildungsfilter lag oder am Zufall, weiss niemand. Academic Singles ist be2 mit einem anderen Sortierschlüssel. Wenn dir dieser Schlüssel wichtig ist, bist du hier richtig. Den Überblick über alle Seiten findest du im Vergleich der Dating-Seiten.
Livia, 37, Zürich. Acht Jahre Gastronomie, heute Büro und Wochenendherd. Keine Kurse, keine Abende zum Buchen: Rezepte und ein ehrlicher Blick auf die Dating-Seiten.Sieben Plattformen, ein Betreiber im Hintergrund, keine Werbelinks. Zum Vergleich
Das Menü fürs erste Date steht in Etappen da: was man am Vorabend macht, was um 17 Uhr, was erst, wenn es klingelt.
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